Montag, 24. März 2014

Rezension: Ich bin Tess von Lottie Moggach


Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: Script5 Verlag
Sprache: Deutsch
Originaltitel: Kiss Me First
ISBN - 10: 3839001587
ISBN - 13: 978-3839001585
Preis: 17,95€

Kurzbeschreibung:
Leila hat Tess nie zuvor getroffen.
Doch sie weiß mehr über sie als irgendjemand sonst.
Tess hat Leila nie zuvor getroffen.
Doch wenn sie unbemerkt aus der Welt scheiden will,
muss sie Leila ihr Leben anvertrauen.
Zu Beginn ist es leicht für Leila, sich online als Tess auszugeben. Niemand durchschaut ihr Spiel.
Doch wie lange lässt sich eine solche Lüge aufrechterhalten?

Okay, nehmen wir uns einmal dieses hypothetische Dilemma vor: Eine Frau leidet an einer Krankheit, die an und für sich nicht lebensbedrohlich ist, aber ihre Lebensqualität stark einschränkt und auch nicht heilbar ist. Nach reiflicher Überlegung kommt sie zu dem Schluss, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Aber sie weiß, dass sie damit ihrer Familie und ihren Freunden großen Kummer bereiten würde und handelt daher nicht. Dennoch wünscht sie sich verzweifelt den Tod und an dieser Einstellung ändert sich auch über die Jahre nichts. Irgendwann kommt sie zu dir und sagt, ihr sei ein Weg eingefallen, wie sie ihren Plan in die Tat umsetzen kann, ohne ihre Familie und ihre Freunde unglücklich zu machen, aber dafür brauche sie deine Hilfe. Was würdest du tun? Würdest du ihr helfen?



Lottie Moggach ist freiberufliche Journalistin, liebt ihre Heimatstadt London und hat ein Faible für das 18. Jahrhundert. In ihrer Freizeit spaziert sie am liebsten mit ihrem Sohn durch die Straßen der britischen Hauptstadt und träumt davon, in einem der georgianischen Häuser zu wohnen. Die Idee zu ihrem ersten Roman Ich bin Tess kam ihr vor einigen Jahren, als sie viel zu viel Zeit mit Facebook verbrachte.


Ich bin Tess ist eines jener Bücher, die von der Kurzbeschreibung her unglaublich neugierig machen. Auch das Cover kann hierbei sehr überzeugend sein, denn ich finde es wirklich sehr passend. Ich war sehr gespannt auf dieses Buch, ist es doch eine ganze Weile lang durch die Bloggerwelt gegeistert. 

Zu Beginn erzählt Leila, die Protagonistin dieses Buches (Ich-Perspektive), wie sie dazu gekommen ist, eine andere Identität anzunehmen. Man erfährt, dass Leila ein sehr abgeschottenes Leben geführt hat, nachdem ihre Mutter gestorben ist. Sie lebt zurückgezogen in einer kleinen Wohnung und verbringt beinahe ihre gesamte Zeit am Laptop. Eines Tages stößt sie auf eine Internetseite, die sich "Red Pill" nennt und welche über Gott und die Welt philosophiert.  

Sehr bald wird klar, dass Leila sehr intelligent ist und somit wird sie in den inneren Kreis des Forums aufgenommen. Besonders Adrian, der Administrator dieses Forums, ist von Leilas Verstand beeindruckt und unterbreitet ihr deshalb ein ungewöhnliches Angebot: Leila soll Tess helfen, denn Tess (manisch-depressiv) möchte Selbstmord begehen, jedoch ihre Familie und ihre Freunde nicht verletzen, weshalb jemand ihr Leben virtuell fortsetzen soll. Kurz darauf willigt Leila ein, Tess zu helfen und die Geschehnisse nehmen ihren Lauf....

Zu Beginn dieses Buches war ich äußerst verwirrt. Zwar wird nach und nach alles erklärt, aber am Anfang ist man als Leser vollkommen ahnungslos. Manche wird genau das reizen, mich hat es jedoch ein wenig abgeschreckt. Was mir im Gegenzug jedoch sehr gefallen hat und mich auch fasziniert hat, waren die Gedanken der Protagonistin über Philosophie, Ethik und Moral. Ist es wirklich richtig, jemandem beim Selbstmord zu helfen? Darf ich mein Leben einfach beenden, wenn ich der Meinung bin, das ich genug gelebt habe? 

Mit all diesen Fragen und noch viel mehr, wird man als Leser konfrontiert. Dieses Buch hat mich zum nachdenken und grübeln gebracht. Durch die leicht distanzierte Art von Leila und ihre Gedankengänge, werden viele interessante Fragen aufgeworfen, denen man sich als Leser stellen muss.

Was mich wirklich beeindruckt hat, war, dass Lottie Moggach mit Leila und Tess zwei vollkommen unterschiedliche und interessante Charaktere geschaffen hat. Leila ging meiner Meinung nach ein wenig unter, während Tess einem mit ihrer fröhlichen, offenen und bunten Art, im Gedächtnis geblieben ist. Auch war mir Tess sympathischer, da mir Leila oft sehr distanziert vorkam. Aber das ist natürlich immer Ansichtssache.

Der Schreibstil von Lottie Moggach hat mir gut gefallen. Auch wenn ich zu Beginn ein paar Schwierigkeiten hatte, konnte mich dieser doch überzeugen. Viele Details sorgten dafür, dass man viel über die Protagonistin und Tess erfährt. Natürlich fand ich diese Detailliertheit, mit der die Autorin alle möglichen Dinge beschreibt, manchmal auch langweilig, aber darüber kann man leicht hinwegsehen. 

Ich bin Tess ist ein interessanter Roman voller philosophischer Fragen, mit denen man sich beim Lesen konfrontiert sieht. Lottie Moggach hat mit Leila und Tess zwei verschiedene Persönlichkeiten erschaffen, die mit ihrer Lebensweise und ihren Gedanken unterschiedlicher nicht sein könnten. Schade fand ich nur, dass es erst gegen Ende richtig spannend wurde. Wer wissen will, was aus Tess und Leila wird und ein Buch zum nachdenken sucht, wird mit Ich bin Tess sicherlich nichts falsch machen.

Ich vergebe: 3 von 5 Schneeflocken


Vielen Dank an den Script5 Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares!

Quelle: Script5 Verlag

Kommentare:

  1. :D tolle Rezi, meine Rezi hab ich heute auch online gestellt und es gab von mir auch 3 Punkte :)
    Leider fand ich es kurz gesagt einfach zu langweilig. Die Grundidee ist super und die Umsetzung in einigen Dingen auch aber in anderen wieder unpassend. So ganz konnte mich das Buch also nicht wirklich überzeugen...

    LG ♥

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    1. Jaa, ich fand einige Stellen auch ziemlich langweilig, oft hat es sich einfach in die Länge gezogen. Dennoch fand ich die Thematik wirklich sehr interessant, aber du hast Recht, die Umsetzung hätte besser sein können.

      Liebe Grüße
      Sibel

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  2. Ich habe ebenfalls drei Punkte vergeben. Für einmal Lesen ist es ok. Aber mehr auch nicht. Wurde ja sehr gehypt. Wobei ich mehr kritische als mega-positive Rezensionen gelesen habe.
    Aber du hast es gut auf den Punkt gebracht!

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