Montag, 27. Juni 2016

Rezension: Tausend Nächte aus Sand und Feuer von Emily Kate Johnston



Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
Verlag: cbt
Sprache: Deutsch
Originaltitel: A Tousand Nights
Preis: 16,99€


Lo-Melkhinn hat schon dreihundert Mädchen auf dem Gewissen, bevor er in ihr Dorf kommt, um sich eine neue Braut zu suchen. Als sie die Staubwolke am Horizont sieht, weiß sie, dass er das hübscheste Mädchen im Dorf mitnehmen wird: ihre Schwester. Aber das wird sie nicht zulassen. Stattdessen kehrt sie selbst mit dem geheimnisvollen Wüstenherrscher in seinen Palast zurück. Der Tod scheint ihr sicher, doch am nächsten Morgen ist sie immer noch am Leben. Von nun an erzählt sie Lo-Melkhinn jede Nacht eine neue Geschichte und jeden Morgen erwacht sie mit einem magischen Funken in sich, der von Tag zu Tag mächtiger wird ...


Emily Kate Johnston hat eine Ausbildung zur forensischen Archäologin, ist von Beruf Buchhändlerin und liebt von Natur aus Grammatik. Sie ist sich sicher, dass sie die „reale Welt“ eines Tages verstehen wird, aber bis dahin verbringt sie so viel Zeit wie möglich in anderen Welten. Wenn sie nicht gerade auf tumblr unterwegs ist, träumt sie vom Reisen und von Tolkien. Oder sie schreibt Bücher. Kommt ganz auf das Wetter an.



Die Geschichten um Scheherazade in 1001 Nacht kennt wahrscheinlich jeder. Ich habe die Geschichten immer gerne gelesen und war deshalb sehr gespannt auf die Neuerzählung aus der Feder von Emily Kate Johnston. Die Grundidee hat die Autorin übernommen: Lo-Melkhinn ist der König und hat schon dreihundert Mädchen getötet, nachdem er sie kurz zuvor geheiratet hat. Die Protagonistin in diesem Buch, ein Wüstenmädchen, soll die Nächste sein, nachdem sie sich für ihre Schwester opfert und den grausamen König heiratet. Von dem Tag an beginnt für sie ein neues Leben, ein Leben, welches ihr jede Nacht genommen werden kann.

Ich hatte auf eine romantische und märchenhafte Geschichte gehofft und wurde leider enttäuscht, denn "Tausend Nächte aus Sand und Feuer" ist zwar märchenhaft und magisch, aber leider nicht besonders romantisch. Die Autorin erzählt die Geschichte aus der Sicht der Protagonistin, deren Name dem Leser verborgen bleibt (wie auch die Namen der anderen Charaktere), wobei auch manchmal für 2-3 Seiten aus der Sichtweise von Lo-Melkhinn erzählt wird

Der Schreibstil ist oft sehr poetisch und erzählerisch, was ich wirklich interessant fand. Leider kam es mir jedoch so vor, als würde sehr viel von der Handlung dadurch abhanden kommen. Oft versank die Protagonistin in Gedanken an ihre Familie und ihre Heimat, wodurch man sehr wenig von den Geschehnissen im Palast mitbekommen hat.

Von den Geschichten, die sie Lo-Melkhinn jede Nacht erzählt und die ein großer Bestandteil von der Original-Geschichte sind, bekommt man als Leser nur Bruchstücke mit, was mich doch enttäuscht hat. Auch konnte ich persönlich überhaupt keine Beziehung zu den Charakteren aufbauen, da einfach das emotionale meiner Meinung nach in diesem Buch gefehlt hat. 

Trotz all meiner Kritikpunkte fand ich die Orientalische Stimmung, die das Buch begleitet, jedoch verzaubernd. Man kann sich bildlich die Zeit damals vorstellen: die Gewänder und Schleier, die Bräuche und Rituale. Diese Aspekte der Geschichte haben mich sehr fasziniert. Auch die Geheimnisse, die man als Leser lüften möchte, waren umgeben von einem Hauch von Magie. Besonders das letzte Drittel des Buches hat mir sehr gut gefallen.


Sie war nicht von meiner Art, aber sie besaß eine Kraft, die nicht menschlich war, 

jedenfalls nicht nur.
Und weil sie nicht starb, fragte ich mich, ob ich vielleicht endlich eine Königin gefunden hatte,
für die ich die Wüste in Brand setzen konnte.

~ Seite 155 ~


Zu meiner Enttäuschung konnte mich die Autorin mit ihrer Neuerzählung zu 1001 Nacht nicht vollkommen in ihren Bann ziehen. Distanzierte Charaktere, denen es meiner Meinung nach oft an Emotionen gefehlt hat, haben es mir schwer gemacht, mich von der Geschichte verzaubern zu lassen. Trotz dessen hat mir die orientalische Stimmung und der Hauch von mystischen Geheimnissen gut gefallen. Lesern, die den erzählerischen Schreibstil mögen und sich von fehlenden Emotionen nicht weiter stören lassen, könnte dieses Buch wirklich gut gefallen.


Vielen lieben Dank an die Verlagsgruppe RandomHouse für die Zusendung dieses Rezensionsexemplares!


Kommentare:

  1. Hey,

    bisher hab ich wirklich nur mittelmäßiges zum Buch gelesen, muss gestehen, dass ich das ehrlich gesagt ganz anders sehe, ich war hellauf begeistert, aber so ist das manchmal. :D
    Deine Rezension ist auf jeden Fall gut begründet, auch wenn ich persönlich manches nicht so empfunden habe. :)

    Liebe Grüße
    Svenja

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    1. Hi Svenja,

      freut mich, das dich das Buch begeistern konnte. Ich fand es wirklich sehr schade, dass ich nicht ganz so begeistert war, wie ich es mir erhofft hatte. Ich glaube es hängt oft auch mit den Erwartungen zusammen, die man am Anfang an das Buch hat und diese wurden in meinem Fall einfach nicht erfüllt.

      Liebe Grüße
      Sibel

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